Drei Jahre lang war das Chorlektiv organisiert wie ein Piratenschiff: Jeder durfte einmal Käpt’n sein und über das nächste Reiseziel wurde demokratisch abgestimmt. Das war schön und hat funktioniert – weil unsere Mannschaft klein war. Inzwischen aber ist sie erheblich angewachsen. Fast dreißig Sänger sind wir mittlerweile – Tendenz: Steigend. Mit so vielen Menschen auf Kaperfahrt zu fahren macht Spaß, ist jedoch nicht immer so ertragreich wie erhofft.

Wir haben deshalb beschlossen, es zukünftig wie die alten Römer zu machen. Die hatten bekanntlich jahrhundertelang zwei Chefs. Diese wurden demokratisch gewählt und waren genau ein Jahr im Amt. So wird es jetzt auch bei uns immer zwei bis drei Dirigenten geben, die ein Programm lang unsere Geschicke bestimmen. Damit weiterhin jeder sich einmal ausprobieren kann, wird zusätzlich ein Referendarsposten geschaffen.

Wird das Chorlektiv also bald doch ein Chor wie jeder andere sein? Ein Chor mit festem Leiter? Natürlich nicht. Es wird ja weiterhin mehrere Dirigenten geben, die ihre unterschiedlichen musikalischen Vorlieben einbringen. Und sollten wir irgendwann einmal so groß sein, dass sich nur noch ein gallisches Dorf widersetzt: Auch dann wird kein Cäsar kommen und sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen – Cäsar konnte Piraten nicht leiden.

Das Chorlektiv wird zur Römischen Republik

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